Sucht

Ich persönlich unterscheide zwischen Sucht und Abhängigkeit, insbesondere körperlicher Abhängigkeit wie sie zum Beispiel beim Rauchen, verschiedenen Drogen und der Verwendung von Psychopharmaka entsteht. Eine Abhängigkeit entsteht als Folge der Sucht aber nicht umgekehrt. Die Sucht besteht also vor der Abhängigkeit. Sie ist ein Kompensationsmechanismus und dient der Flucht vor der Realität. Jedenfalls nehme ich das so wahr bei mir und den Menschen, mit denen ich zu tun habe. Um die Sucht loszuwerden, muss man herausfinden, vor was man wegrennt. Das ist ein rein seelisch-psychologisches Problem, auf welches ich mich hier konzentrieren möchte. Die körperliche Abhängigkeit muss man separat anschauen. Das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ich kann jedoch aus Erfahrung sagen, dass es viel einfacher ist, die Abhängigkeit anzugehen, psychisch und körperlich, wenn man vorher die Sucht aufgelöst hat. Beseitigt man die Ursache nicht, weicht der Betroffene einfach auf ein anderes Suchtmittel aus oder wird rückfällig.

Als Suchtverhalten kann alles bezeichnet werden, was einem persönlich schadet, man weiss dass es einem schadet, tut es aber trotzdem impulsiv über einen längeren Zeitraum. Solches Verhalten hat zudem die Tendenz, mit der Zeit immer extremer zu werden. Es führt im Endeffekt zur Selbstzerstörung. Weit verbreitete Formen sind z.B. Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Alkoholismus, Zigaretten, Spielsucht, Sexsucht, Arbeitssucht (Workaholic), Internetsucht und viele mehr. Meist leiden das soziale Leben und der Geldbeutel am meisten unter der Sucht. Freundschaften und Familien brechen auseinander, man treibt sich selber in den finanziellen Ruin usw. Obwohl man die Auswirkungen selber erkennt, schafft man es nicht, damit aufzuhören. Das Selbstbewusstsein leidet natürlich darunter und so flüchtet man sich möglicherweise noch mehr in die Sucht, weil man sich selber nicht mehr leiden kann.

Oftmals ist die Ursache in Erlebnissen der Kindheit zu finden. Das können mitunter ganz banal anmutende Dinge sein wie eine Abweisung durch die Klassenkameraden bei einem Spiel. Diese kann dazu führen, dass das Selbstwertgefühl zerstört wird und man dann später mit Alkohol den nicht verarbeiteten Schmerz ertränkt. Recht häufig gehen Alkohol- und Tabakkonsum Hand in Hand, denn Tabak hat die Eigenschaft, unterschwellige Emotionen zu überdecken und so im Hintergrund zu halten. Rauchen betäubt. Wir spüren uns dadurch nicht mehr so deutlich. Da die Erlebnisse weit zurückliegen können, hat man je nachdem keine Ahnung, was diese unterschwelligen Emotionen verursachen könnte. Da besonders Männern in der Kindheit eingetrichtert wird, dass sie stark sein müssen, wollen diese dann später keine Schwäche zeigen, was die Verarbeitung effektiv verhindert.

Solltest du persönlich von Süchten betroffen sein, versuche dich selber zu beobachten und achte auf die Themen, die in den Momenten in Gesprächen auftauchen, in denen du dich deiner Sucht hingibst. Das ist jeweils ein guter Indikator. Solltest du dich nicht mehr daran erinnern können, weil du vielleicht zu betrunken warst, frage einen Menschen, der diese Zeit mit dir verbracht hat. Alkohol hat die Eigenschaft, die Mauern um dein Herz temporär einzureissen, sodass versteckte Emotionen ans Tageslicht kommen. Du kannst dann gar nicht anders als darüber zu reden. Personen, die diesen Moment miterlebt haben, können sich möglicherweise noch daran erinnern. Schäme dich nicht dafür sondern nutze die Gelegenheit. Wenn du Glück hast, hast du so auch gleich einen Gesprächspartner gefunden, der dir bei der Verarbeitung helfen kann. Das wichtigste ist, dass wir über unsere Emotionen reden. So kommen sie raus und verlieren ihre negative Wirkung. Wurde etwas einmal bewusst ausgesprochen, kann man es nicht mehr verstecken. Das öffnet den Weg zur Heilung.

Die Verarbeitung geschieht durch das nochmalige Durchleben der versteckten Emotionen. Das tut zwar weh, danach ist es aber vorbei. Psychologen sind für diesen Prozess ausgebildet und können dir dabei helfen. Ihre Möglichkeiten sind allerdings unter Umständen begrenzt. Je nachdem wie tief die Emotionen im Unterbewusstsein vergraben liegen, braucht es spezielle Techniken, um überhaupt so weit vordringen zu können. Die Meditation könnte eine Möglichkeit sein, die man dafür nutzen kann. Da macht man alles selber. Hypnose und die Kinesiologie bieten Verfahren, mit denen man unter Anleitung eines Therapeuten in die Tiefen des Unterbewusstseins eindringen kann. Das dürfte für die meistens Menschen einfacher sein. Welche Technik man auch immer einsetzt, die Hauptsache ist, dass man die Emotionen, die das Suchtverhalten verursachen, ans Tageslicht holt und sich damit auseinandersetzt. Das Verlangen, aus der Realität zu flüchten, verschwindet nach der Verarbeitung ganz von alleine. Es gibt ja dann nichts mehr, wovon man wegrennen müsste.

Weiterführende Lektüre

Dr. Gabor Maté hat auf diesem Gebiet extrem wertvolle Arbeit geleistet. Ich kann sowohl seine Bücher wie auch die Vielzahl von Videos empfehlen, die man im Internet findet. Auf seiner Webseite (Englisch) gibt es eine grosse Bibliothek zum diesem Thema.

Die hier publizierten Informationen basieren auf meinem aktuellen Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Dem voraus gehen jahrelange Recherchen und persönliche Erfahrungen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit der dargestellten Informationen. Sie dienen ausschliesslich der Aufklärung und sollen dem Leser Möglichkeiten aufzeigen. Das geschriebene dient nicht als Diagnose oder Therapie und kann in keiner Weise den Besuch bei einem qualifizierten Mediziner ersetzen. Wenn du selbständig Massnahmen ergreifst, tust du das auf eigene Verantwortung. Lass dich vom Naturheilpraktiker oder Arzt deiner Wahl beraten und begleiten. Informiere dich selbständig weiter, recherchiere, tausche dich aus mit anderen Betroffenen. Wenn du etwas findest, was deiner Meinung nach in diesen Artikel gehört, schreib mir bitte. Danke!